Historie

Tag der offenen Tür in den 70er Jahren. Es ist die Zeit der Koteletten und Schlaghosen. Im Bild (v.l.n.r.): Wilfried Schmitt, Lars W. Beier und Frau Sinnerbrink, die damalige Sekretärin der Technikerschule.

Text: Wilfried Schmitt, StD i.R.

In keiner anderen Region Deutschlands ist die Möbelindustrie so konzentriert wie in Westfalen-Lippe. Hier entwickelte sich - besonders nach dem 2. Weltkrieg - aus handwerklichen Ansätzen und Kleinserienbetrieben eine nennenswerte, industrielle Möbelfertigung, verbunden mit dem Einsatz von Spanplatten. Rund ein Drittel der 1990 gefertigten Möbel in den alten Bundesländern stammen aus Westfalen-Lippe. Die meisten Aussteller auf der Möbelmesse in Köln sind in dieser Region ansässig.
Es lag nahe, dass sich in diesem Gebiet, parallel zur Holz- und Möbelindustrie-entwicklung, auch Fachschulen gründeten. Schon 1893 entstand die Tischlerfachschule Detmold, während die Tischlerfachschule Beckum 1928 von August Höner ("Onkel August") als Privatschule gegründet wurde.
1941 übernahm der Kreis Beckum die Trägerschaft dieser Schule als "Meisterschule für das Tischlerhandwerk", angegliedert an die Berufsbildenden Lehranstalten Beckum. Ausgebildet wurden Meister und Innenarchitekten. Der Ersatzbedarf nach dem Krieg und der beginnende Wohlstand in den 50er Jahren sorgten für steigende Nachfrage in der Möbelindustrie und den Ausbau der Kapazitäten. Die Rationalisierung der Produktion, die Einführung der Fließfertigung und der Aufbau einer Arbeitsorganisation verlangten nach speziell technisch ausgebildeten Fachleuten: den Holzingenieuren und den Holztechnikern. So gründete man 1952 an der Meisterschule für das Tischlerhandwerk einen neuen Ausbildungszweig: den der Holztechniker. Die Ausbildung dauerte 4 Semester, wobei ein bis zwei Semester als reine Praxissemester ausgewiesen waren. Im Praxissemester lernten die Studierenden die Aufgaben einer mittleren Führungskraft kennen, ohne deren Verantwortung voll tragen zu müssen. Wieder in der Schule, konnten die Erfahrungen an Mitschüler und Lehrer weitergegeben werden. Man wusste jetzt besser, wofür man studiert und wo man Akzente setzten sollte.
In den beiden ersten Semestern lief die Ausbildung der Innenarchitekten, Meister und Techniker weitgehend parallel miteinander, um sich danach zu verzweigen.
1964 sollte auf Wunsch des damaligen Oberkreisdirektors im Kreis Beckum eine Ingenieurschule für Bau- und Maschinentechnik gegründet werden. Der zuständige Referent für das Ingenieur- und Fachschulwesen beim Kultusminister in NRW, Ministerialrat Kassebeer, schlug demgegenüber die Errichtung einer selbständigen Technikerfachschule vor. Aus lokalen Gründen sollte Oelde der Sitz dieser Schule werden. So wurde 1964 die Holztechnikerausbildung aus der Meisterschule für das Tischlerhandwerk in Beckum herausgelöst und 1965 mit einer neugegründeten Fachrichtung Maschinentechnik zur Technikerschule Oelde vereint. Die Leitung übernahm 1967 Dipl. Ing. Helmut Kramer, der bis dahin an der Ingenieurschule Düsseldorf als Oberbaurat lehrte. Mit der Gründung der Fachhochschule in NRW mußte 1972 die "Höhere Fachschule für Innenarchitektur und Meisterschule" Beckum "aufgelöst" werden. Die Innenarchitekten kamen zur Fachhochschule Lippe und die Meisterausbildung ging an die Handwerkskammern.
Übrig von den Ausbildungsstätten für Holzfachleute blieb allein die Technikerschule. Deren Fachrichtung Holztechnik zog aus Raumgründen von Oelde nach Beckum in die freigewordenen Räume der Innenarchitekten und Meister am Schlenkhoffsweg.
Die einheitliche Leitung der Schule verblieb in Oelde mit der Fachrichtung Maschinentechnik.. Erst zehn Jahre später - 1982 - kam auch die Fachrichtung Maschinentechnik von Oelde nach Beckum, wieder vereint mit den Holztechnikern als Abteilung im Neubau der Berufsbildenden Schulen Beckum, am Hansaring. Damit endete der selbständige Status der Technikerschule. "Die Glocke" schrieb am 9.7.1982: "Stadt Oelde bedauert den Abzug der Technikerschule!“
In einem weiteren "Glocke"-Bericht stand: „Vereinigung mit der Berufsschule missfällt den Technikern". Studierende und Lehrer wären damals lieber als kleine, selbständige Technikerschule in Oelde geblieben. Es ging jedoch nicht darum, Oelde Beckum als Schulort vorzuziehen, sondern um den Wunsch, als überschaubares, selbständiges Schulsystem weiterzuarbeiten. Inzwischen befindet sich die Technikerschule schon seit mehr als 30 Jahren als Abteilung am Berufskolleg Beckum und nutzt die Vorteile eines großen, fachkundigen Kollegiums und die modernen, technischen Einrichtungen eines beruflichen Schulzentrums.

Arbeitsvorbereitung in den frühen 80er Jahren

Geschichtliche Entwicklung der Technikerschule

1952 Gründung des Ausbildungszweiges "Holztechniker“ an der Meisterschule für das Tischlerhandwerk in Beckum. (Abteilungsleiter August Höner)

1964 Auslagerung der Holztechnikerausbildung aus der Meisterschule für das Tischlerhandwerk und Fachschule für Innenarchitektur Beckum nach Oelde. Zunächst hauptverantwortlich: Fachschuloberlehrer Anton Silberberg

1965 Gründung der Technikerschule Oelde mit den beiden Fachrichtungen Holz- und Maschinentechnik.
(Im Schulprospekt war vom "jungen, dynamischen Kollegium" die Rede.)

1967 Oberbaurat Dipl. Ing. Helmut Kramer wird Leiter der Technikerschule Oelde.

1972 Umzug der Fachrichtung Maschinentechnik und der Verwaltung vom Schulgebäude am Düdingsweg zur ehemaligen Augustin-Wibbelt-Schule in Oelde.

1972 Verlegung der Fachrichtung Holztechnik nach Beckum in das ehemalige Gebäude der "Höheren Fachschule für Innenarchitektur“


1973 OStR Wilfried Schmitt ("Holz-Schmitt"), der seit 1969 dem Lehrerkollegium angehört, wird zum Studiendirektor ernannt, Leiter der Fachrichtung Holztechnik.

1976 Lars-W. Beier besteht das Examen als Dipl. Soziologe an der Universität Bielefeld und beendet sein nebenberufliches Studium.

1976 Wegen Schülermangels unternimmt das Kollegium der Technikerschule umfangreiche bis Werbemaßnahmen in Gaststätten, Betrieben und Fachzeitschriften durch Plakate.

1978 Informationsveranstaltungen und Fachberichte.

1976 Dipl. Ing. H. Schmidt ("Blech-Schmidt") wird pensioniert. Er war seit 1966 an der Technikerschule hauptberuflich beschäftigt.

1977 Einrichtung der Ergänzungskurse "Ausbildung der Ausbilder" unter der Trägerschaft der IHK Münster, die bis zum heutigen Tage angeboten werden.

1977 Stellvertretender Schulleiter Heinrich Küting, seit 1973 an der Technikerschule Oelde, wird Schulleiter an der Glasfachschule Rheinbach

1978 OStD Berthold Gleß, Leiter der Berufsbildenden Schulen Beckum, übernimmt die Leitung der Technikerschule. Wilfried Schmitt wird Abteilungsleiter der beiden Fachrichtungen.

1981 OStR Lars-W. Beier wird zum Studiendirektor und stellvertretenden Schulleiter an den Berufsbildenden Schulen Beckum ernannt.

1982 Abschied aus Oelde. Umzug der Technikerschule in den Neubau der Berufsbildenden Schulen Beckum am Hansaring. Wiedervereinigung der beiden Fachrichtungen Holz- und Maschinentechnik der Technikerschule als eine Abteilung in den BBS Beckum. Verabschiedung von Dipl. Ing. 0.-W. Stratenhoff.

1983 Computerisierung der Arbeitsvorbereitung unter Dipl. Ing. Peter Heddergott.

1984 OStR Dieter Stojan verläßt die Technikerschule, an der er seit 1974 lehrte, und wird Leiter der Meisterschule Ebern. Sein Nachfolger wird Dr. Michael G. Opitz.

1985 Wiedereröffnung der Abendschule Maschinentechnik

1986 Einführung der CAD-Technik in die Technikerschule

1987 Dr. Michael G. Opitz verläßt die Technikerschule und wird Dozent (später Professor) an der Berufsakademie Mosbach.

1987 Erste Projektarbeiten in Gruppen in der Fachrichtung Holztechnik.

1988 August Höner, der Gründer der Meisterschule für das Tischlerhandwerk, Beckum, wird 90 Jahre!

1988 Weiterer Ausbau der CAD-Technik mit 6 HP-Arbeitsplätzen

1989 Einrichtung des Robotiklabors mit zwei Industrierobotern aus Mitteln der "Zukunftsinitiative Montanregionen"

1990 Wegen großer Nachfrage wird die Fachrichtung Holztechnik zweizügig ausgebaut.

1990 OStD Berthold Gleß, Leiter der BBS Beckum, geht in Pension. Sein Stellvertreter, OStD Lars-W. Beier übernimmt die Schulleitung.

1990 Errichtung des PPS-Labors (Produktionsplanung und -steuerung) mit 12 vernetzten Computerarbeitsplätzen. (Aus der ehemaligen "AV-Kapelle" wurde ein richtiges Labor.)

1992 11.7.92 Schulfest: 40 Jahre Technikerschule Beckum (Oelde)

1997 Anschaffung des CNC-Bearbeitungszentrums "Quadroform", Fa. IMA

1999 Abteilungsleiter StD Wilfried Schmitt geht in den Ruhestand

1999 StD Martin Groneick übernimmt die Leitung der Fachschule für Technik, Abt. Holztechnik

2001 Schulleiter OStD Lars W. Beier geht in den Ruhestand

2001 OStD Erwin Wekeiser wird Schulleiter des Berufskollegs Beckum

2001 Zwei Studierende führen erstmals eine Projektarbeit in Peking/China durch. Begleitet werden sie von Martin Groneick und Stephan König

2002 Schulfest: 50 Jahre Technikerschule Beckum

2007 StD Martin Groneick wird stellvertretender Schulleiter des Berufskollegs Beckum

2007 StD Stephan König übernimmt die Leitung der Fachschule für Technik

2011 Anschaffung des CNC-Bearbeitungszentrums "BHC 400", Fa. Weeke

2011 Zwei Studierende führen Ihre Projektarbeit in Bangalore/Indien durch

2015 Die internationalen Kontakte weiten sich aus: Erstmalig werden Projektarbeiten auch in Raglan/Neuseeland und in Muskat/Oman durchgeführt

2016 Manfred Gross geht in den Ruhestand

Das Kollegium der Fachschule für Technik, Abt. Holtzechnik, im Jahre 1991.

Mensa am Hansaring


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