Historische Entwicklung des Berufskollegs

Von der Fortbildungsschule zu den Berufsbildenden Lehranstalten des Kreises Warendorf in Beckum (1811 - 1982)

Ein Beitrag zum beruflichen Bildungswesen im Altkreis Beckum

Von der freiwilligen Sonntagsschule zur Fortbildungsschule

Die Anfänge des beruflichen Bildungswesens im Altkreis Beckum reichen weit hinein in das vergangene Jahrhundert. Das wirtschaftliche Bedürfnis war die treibende Kraft für die Errichtung und den Aufbau beruflicher Schulen. Es zeigte sich, dass die altüberlieferte Ausbildung nicht genügte. Die neue Technik verlangte eine erweiterte Vorbildung. Aber auch der Staat und die Kirchen waren an der Fortbildung junger Menschen interessiert, die ihrer Volksschulpflicht genügt hatten. Im "Allgemeinen Landrecht" vom Jahre 1794 für den preußischen Staat heißt es: "Wer einen Lehrling annimmt, welcher im Lesen und Schreiben und in der Religion den nötigen Unterricht noch nicht erhalten hat, ist schuldig, denselben bis zur Erlangung dieser Kenntnisse zur Schule zu halten." Eine Sonntags- bzw. Abendschule für schulentlassene aber auch für schulpflichtige Jungen und Mädchen bestand in Beckum bereits im Jahre 1811. Beweis dafür ist ein Bericht des Schulinspektors Darup, der Pfarrer in Sendenhorst war. In diesem Bericht aus dem Jahre 1811 ist die Unterrichtszeit für die Jungen und Mädchen der Beckumer Sonntagsschule von morgens 7 bis 9 Uhr festgelegt. Wörtlich heißt es dann weiter: "Die Kinder begeben sich 9 Uhr zur Kirche, um der Konventualmesse beizuwohnen. Sie dauerte bis 1/4 vor 10 Uhr. Dann gehen sie nach Hause und bleiben den ganzen lieben Morgen zu Hause oder auf der Straße mit Ausnahme einiger Mädchen, die zur Strickschule gehen, und in den letzten Jahren einiger Knaben, die in Nebenstunden bei dem Lehrer Schwarz das Zeichnen lernen." Das sind die Anfänge der späteren gewerblichen, ländlichen und hauswirtschaftlichen Fortbildungs- bzw. Berufsschule in Beckum.

 

Eine freiwillige Sonntagsschule bestand z. B. in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts in Soest und Paderborn. In Hamm würde am 07.11.1830 eine Sonntagsschule eröffnet, die von dem damaligen Oberpräsidenten in Münster, dem Freiherrn von V i n c k e genehmigt wurde. Die Gründungsfeier begann mit einem Gottesdienst in der katholischen Kirche und in der evangelischen Pauluskirche. In der anschließenden Schulfeier hielt Professor Waldeck aus Münster die Festrede. Unterrichtsfächer in den Sonntags- und Abendschulen waren Schreiben, Rechnen, Zeichnen (Linearzeichnen, Freihandzeichnen), Religion. Als Lehrer stellten sich vorwiegend Elementarlehrer (Volksschullehrer) und Männer der Praxis (Handwerksmeister, Kaufleute) sowie Theologen zur Verfügung. Der Unterricht fand abends statt und sonntags vormittags. Das war auch später so, als die Sonntags- und Abendschule von den Fortbildungsschulen abgelöst wurden.

 

Die Lerninhalte der Sonntags- und Abendschulen waren nur zu einem verschwindend geringen Teil berufs- bzw. fachbezogen. So klagten dann auch die in dieser Zeit angefertigten Revisionsberichte über die zu geringe Berufsbezogenheit der Lerninhalte. Das wirkte sich verständlicherweise negativ auf die Motivation der Schüler aus. Es ist daher auch zu erklären, dass in manchen Orten die Teilnehmerzahl so stark zurückging, dass Sonntags- und Abendschulen ihre Tore schließen mussten. Als Wiederholungsschulen hatten sie nur geringe Überlebenschancen. Dies ist nicht nur in Beckum sondern auch in verschiedenen anderen Orten der näheren und weiteren Umgebung festzustellen.

Mensa am Hansaring


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