Von der Fortbildungsschule zur Berufsschule

Einen merklichen Aufschwung erlebte das berufliche Schulwesen in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Insbesondere waren es die Handwerker, die sich in dieser Zeit für eine allgemeine und besonders auch für eine fachliche Weiterbildung des Nachwuchses einsetzten. Aber auch die Einrichtungen zur Weiterbildung der Gesellen und Meister wurden gefördert. Das Handwerk war wohl der erste Berufsstand, der die Notwendigkeit einer solchen Fortbildung seines Nachwuchses erkannte. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die am 21.06.1869 für den Norddeutschen Bund erlassene Gewerbeordnung. Der § 142 dieser Gewerbeordnung enthielt Rahmenrichtlinien, der den Gemeinden die Möglichkeit bot, Lehrlinge, sofern sie das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hatten, zum Besuch der Fortbildungsschule zu verpflichten, vorausgesetzt, es war eine da. Den Gemeinden wurden Staatszuschüsse bis zur Hälfte der tatsächlich entstehenden Kosten in Aussicht gestellt. Es mussten aber zuvor bestimmte Bedingungen erfüllt sein, wie z. B. ein gegliedertes Schulwesen, eine finanzielle Absicherung, ein festes Ortsstatut, ein wöchentliches Unterrichtssoll von 12 Wochenstunden. Aus vielen Gründen, insbesondere finanzieller Art, boten sich die Städte und unter ihnen die Großstädte zuerst für die Einrichtung von gemeindlichen Fortbildungsschulen an. So wurde u. a. in Hamm im Jahre 1978 eine städtische Fortbildungsschule gegründet. Im gleichen Jahr schritt auch Ennigerloh zur Gründung einer Fortbildungsschule, und zwar zu Beginn des Wintersemesters mit 26 Schülern. In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts bestanden auch in Oelde und Ahlen Fortbildungsschulen. Ein Antrag des Handwerks auf Errichtung einer Fortbildungsschule wurde in Beckum am 09.11.1878 gestellt. Er wurde abgelehnt. 3 Jahre später, im Jahre 1881, ergriffen Beckumer Handwerksmeister die Initiative. Sie gründeten eine Handwerkerfortbildungsschule. Schulträger war der Meisterverein. Die Stadt Beckum unterstützte die Handwerkerfortbildungsschule dadurch, dass sie einen Klassenraum kostenlos zur Verfügung stellte und auch die Heizungs- und Beleuchtungskosten bestritt. Außerdem zahlte sie dem Meisterverein zweckgebunden jährlich eine Beihilfe von 300 Mark. Beckumer Handwerksmeister erteilten den Unterricht an Sonntagvormittagen. Es war vornehmlich Zeichenunterricht. Der Bestand der Schule war leider nur von kurzer Dauer.

 

Im Jahre 1903 nahm die Stadt Beckum die Angelegenheit in die Hand und beschloss, nach den Herbstferien eine Fortbildungsschule zu eröffnen. In der "Glocke" vom 14.01.1974 steht in einer Notiz mit der Überschrift "750jährige Stadt vor 71 Jahren" folgendes: "Aus der Magistratsratssitzung vom 14. Januar 1903 wird mitgeteilt - Die Einrichtung einer gewerblichen Fortbildungsschule für die im hiesigen Stadtbezirk beschäftigten Handwerkslehrlinge wird im Interesse der weiteren Ausbildung und des späteren besseren Fortkommens der Jünglinge für durchaus zweckmäßig und segensreich gehalten und soll das im Entwurf vorliegende Ortsstatut nebst Schulordnung erlassen werden, sobald die Stadtvertreterversammlung zu denselben die Zustimmung erteilt und die Errichtung der Schule auf Kosten der Stadt beschlossen hat." In der "Glocke" vom 29.10.1903 heißt es: "Beckum. Hier wurde die gewerbliche Fortbildungsschule eröffnet. Herr Bürgermeister Fehling machte den Schülern, deren Zahl 67 beträgt, in einem schönen Vortrag die Zwecke der Schule klar."

 

Der Besuch der Fortbildungsschule war fortan für alle Handwerkslehrlinge in der Stadt Beckum verbindlich. Der Unterricht fand zunächst nur in den Wintermonaten an zwei Abenden von 5 bis 7 Uhr statt und an Sonntagnachmittagen von 1 bis 2 Uhr. Unterrichtsfächer waren zu Beginn nur Deutsch, Rechnen, Zeichnen und Religionslehre. Als Unterrichtsraum diente das Gesellenhaus. Die Schülerzahl wuchs von Jahr zu Jahr. Im Jahr 1904 wurde eine zweite Klasse eingerichtet. Drei Jahre nach Gründung der städtischen gewerblichen Fortbildungsschule bestanden schon drei Klassen. Der Zeichenunterricht wurde an Sonntagen auch im Sommer durchgeführt. Man konnte jetzt schon nach Lehrjahren trennen.

 

Die Schmiedemeister stellten im Jahre 1907 einen Antrag an die Stadt mit der Bitte, den gesamten Fortbildungsunterricht auf den Sonntagvormittag zu verlegen. Das aber war unzulässig, und deshalb wurde dieser Antrag abgelehnt. Der Unterricht durfte auch nicht über 7 bzw. 8 Uhr abends hinausgehen. Ab 1908 erteilte man den Zeichenunterricht und den Wissensunterricht auch im Sommer. Nebenamtlicher Leiter der Beckumer Fortbildungsschule wurde im Jahr 1908 der Volksschulrektor Rathmer, der vielen älteren Beckumern als ein hervorragender Pädagoge in guter Erinnerung ist. Auch die Lehrer der Fortbildungsschule - zumeist Volksschullehrer - waren als nebenamtliche Lehrkräfte von der Stadt angestellt. Einen Gewerbelehrerstand gab es in Preußen erst seit 1913. Von nun an wurden hauptamtliche Gewerbelehrer ausgebildet. Zunächst an Gewerbelehrerseminaren, dann an Berufspädagogischen Instituten in Verbindung mit Universitäten und später an Technischen Hochschulen. Die nebenamtlichen Leiter und Lehrer der Fortbildungsschulen wurden durch Kurse auf ihre Aufgabe vorbereitet. Sie mussten auch in bestimmten Zeitabständen an Weiterbildungskursen teilnehmen. Vom Regierungspräsidenten eingesetzte Revisoren, Leiter größerer Fortbildungsschulen, beaufsichtigten den Unterrichtsablauf durch regelmäßige Schulbesuche (oft unangemeldet).

 

Der Etat der Beckumer Fortbildungsschule betrug im Jahre 1909 insgesamt 2010 Mark. Zweifellos verweist dieser weit höhere Jahresetat auf eine gestiegene Wertschätzung der Schule nicht nur bei den politisch Verantwortlichen sondern auch in der breiten Öffentlichkeit.

 

Im Jahre 1911 wurde in Preußen der Fächerkatalog an den Fortbildungsschulen grundlegend erweitert. Die staatlichen Bestimmungen sahen für die Verteilung der 6 bis 8 Wochenstunden folgende Regelung vor: Zeichnen und Fachunterricht (Fachkunde) 3 Stunden, Geschäfts- und Bürgerkunde, Rechnen und Buchführung 3 Stunden. Betrug die Stundenzahl im ganzen 8, so kamen 5 davon auf Fachkunde. Außer den nebenamtlichen Volksschullehrern unterrichteten jetzt z. B. auch Meister, Ingenieure, Architekten, Kaufleute nebenberuflich.

 

Für die Weiterentwicklung des berufsbildenden Schulwesens war die Erweiterung des Fächerkataloges für Fortbildungsschulen von entscheidender Bedeutung. Die Kritiker der Fortbildungsschule, vor allem aus den Reihen des Handwerks, der Industrie und des Handels, sahen sich am Ziel ihrer ständigen Bemühungen. Immer mehr nahmen die Fortbildungsschulen Rücksicht auf die Betriebsarbeit. Die Entwicklung von der Fortbildungsschule zur Berufsschule nahm ihren Anfang. Auf diese Entwicklung hat der bekannte Münchener Pädagoge Georg Kerschensteiner (1854 - 1932) einen entscheidenden Einfluß gehabt. Er stellte den Beruf in den Mittelpunkt der Unterrichtsarbeit in den berufsbildenden Schulen und forderte, daß von der Berufsarbeit und den beruflichen Gegebenheiten von nun an die gesamte Bildungsarbeit ausgehen müsse.

 

In einem Beitrag mit dem Titel: "Berufserziehung im Jugendalter" erschienen in dem Handbuch für das Berufs- und Fachschulwesen (Verlag Quelle und Meyer 1922) schreibt er u. a. folgendes: "Die bloße Fortsetzung, Erweiterung und Vertiefung des allgemeinen Unterrichtes, wie ihn die heutige Volksschule bietet, ist selbst bei wöchentlich 9 bis 10stündigem Unterricht, wie ihn die Münchener Fortbildungs- und Fachschulen aufweisen, auch für diese Gruppen kein Bildungswerkzeug. Eine Erziehungsorganisation, die sich an die schaffenden Kräfte des Jugendlichen wendet, vor allem auf sein eigenstes berufliches Arbeitsgebiet, hat die beste Aussicht auf Erfolg. Man vergesse doch nie, dass im gesunden Jugendlichen, männlichen wie weiblichen Geschlechtes, die praktischen Interessen vorherrschen, mögen sie technischer oder sozialer Art sein. Dem teleologischen (zielstrebig) gerichteten Denken, wie es in den Interessen und Fragen des Lebens wichtig ist, geht der weitaus größere Teil der handarbeitendenden Jugend durchaus nicht aus dem Wege, sobald wir das Leistungsbewusstsein zu erzeugen imstande sind. Alle Denkarbeit, die mit praktischer Arbeit verbunden ist, wird gern geleistet. Es gibt keine Bildungsmöglichkeit ohne Bildungsinteressen in dem zu Bildenden. Gäbe es Jugendliche ohne jede auf irgendein geistiges oder körperliches Wachstum oder Wohlbefinden abzielende Neigung, so könnte man sie nicht einmal abrichten, geschweige denn erziehen." Nicht nur die immer stärker werdende fachliche Ausrichtung der Beckum Fortbildungsschule sondern auch die Bestrebungen namhafter Pädagogen, die Menschenbildung in berufsbildenden Schulen zu fördern, wirkte sich sehr positiv für das Ansehen dieser jungen Schulform aus. So wurde z. B. durch Verfügung des Regierungspräsidenten in den Fortbildungsschulen der Turnunterricht empfohlen. Zu einem ordnungsgemäßen Sportunterricht hat es damals in den Fortbildungsschulen nie gelangt. In Beckum, so ist berichtet, wurde Sport in den Pausen betrieben. Aber es wurde schon Religionsunterricht erteilt, wenn auch zunächst nur in den Wintermonaten.

 

Hatte die Fortbildungsschule in Beckum 1803 mit 67 Schülern begonnen, so konnte sie sich infolge ihrer neuen Aufgaben kontinuierlich weiterentwickeln. Im Jahre 1911 war die Schülerzahl auf 136 angestiegen.

 

Das hohe Ansehen, das diese Schule genoss, war in erster Linie auf die beispielhafte Berufsauffassung der nebenamtlichen und nebenberuflichen Lehrkräfte zurückzuführen. So ist es dann auch erklärlich, dass die Beckumer Fortbildungsschule 1912 einen Meisterkursus einrichtete. Zu Anfang zählte der Kursus 50 Teilnehmer, lernbegierige Gesellen aus verschiedenen Handwerksberufen. Die Teilnehmer kamen nicht nur aus Beckum sondern auch aus der näheren Umgebung der Kreisstadt.

 

Die erfreuliche Aufwärtsentwicklung der Beckumer Fortbildungsschule wurde in den Jahren des ersten Weltkrieges jäh unterbrochen. Der Unterrichtsbetrieb konnte in den Kriegsjahren nur im beschränkten Maße durchgeführt werden.

 

Nach dem 1. Weltkrieg nahm man den Unterricht in vollem Umfang wieder auf. Es wurde auch wieder ein Meisterkursus eingerichtet. Die Schneiderinnung beantragte die Einrichtung einer Fachklasse für Schneiderinnen, die 1923 von den Schwestern des Marienstiftes verwirklicht wurde.

 

Auch die Beckumer Kaufmannschaft wollte in der beruflichen Förderung und Fortbildung ihres Nachwuchses dem Handwerk nicht nachstehen. Die Anregungen zur Gründung einer kaufmännischen Fortbildungsschule gingen im Jahre 1912 von dem Katholischen Kaufmännischen Verein (KKV) aus, dessen Vorsitzender zu dieser Zeit der Kaufmann Franz Illigens war. Die Stadtverwaltung begrüßte den Antrag des Katholischen Kaufmännischen Vereins und erteilte ihm sofort die Genehmigung. Die erforderlichen Staatszuschüsse wurden gewährt wie auch die Zuschüsse der Handelskammer, jedoch mit der Bedingung, daß das Schulgeld mindestens 20 Mark betragen müsste. Im Oktober 1912 wurden Schulordnung und Ortsstatut aufgestellt. Nach deren Genehmigung stand einer Eröffnung nichts mehr im Wege. So wurde denn die Beckumer kaufmännische Fortbildungsschule am 01. Januar 1913 im Konferenzzimmer der Volksschule an der Hühlstraße ins Leben gerufen. Der Unterricht beginn am 03. Januar 1913 mit 15 Schülern. Der Unterricht wurde zunächst in der Volksschule an der Hühlstraße erteilt, aber schon bald in der "Mädchenschule" und später im Gymnasium. Die angehenden Kaufleute erhielten wöchentlich 6 Stunden Unterricht in den Fächern Handelskunde mit Deutsch und Schriftverkehr, Buchführung, käufmännisches Rechnen, Staatsbürgerkunde, Wirtschaftsgeographie und Kurzschrift. Den Religionsunterricht erteilte der geistliche Rat des KKV. Die kaufmännische Fortbildungsschule wurde im Jahre 1923 von 142 Schülern besucht und die gewerbliche Fortbildungsschule von 242 Schülern.

 

Nachdem nun die Ideen der bekannten Pädagogen Otto Scharf aus Magdeburg, Friedrich Rücklin aus Pforzheim, Oskar Pache aus Leipzig mit ihrer Forderung nach einer fachlich differenzierten Fortbildungsschule Gehör gefunden hatten und nachdem sich die Auffassung Georg Kerschensteiners, Eduard Sprangers und Aloys Fischers durchgesetzt hatten, dass auch die Fortbildungsschulen Stätten wahrer Menschenbildung sein müssten, erhielt die Fortbildungsschule im Jahre 1922 die amtliche Bezeichnung "Berufsschule". Damit begann im hiesigen Raum ein neuer entscheidender Abschnitt im berufsbildenden Schulwesen.

 

Ähnlich wie in der Kreisstadt Beckum lagen die Verhältnisse im gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungswesen in den anderen Orten des Kreises. Auch in den ländlichen Gebieten entstanden nach und nach gemeindliche Fortbildungsschulen, in denen nebenamtliche Lehrkräfte - meist Volksschulleiter - den Unterricht erteilten. Hier einige Beispiele:

 

Am 26. Juli 1910 wurde in Neubeckum die Gründung einer gewerblichen Fortbildungsschule beschlossen. Das Ortsstatut trat am 01.10.1910 in Kraft mit der Maßgabe, dass die vor dem 01.10.1893 geborenen jugendlichen Arbeiter (Lehrlinge) von der Schulpflicht befreit wurden. Die Eröffnung der gewerblichen Fortbildungsschule Neubeckum fand am 17.10.1910 statt.

 

In Vorhelm wurde am 03.11.1901 eine ländliche Fortbildungsschule eröffnet, in der auch gewerbliche Lehrlinge unterrichtet wurden. Das geht aus einer Aufzeichnung der Schulchronik vom Jahr 1907 hervor, in der es heißt: "Am dritten November 1907 wird die Fortbildungsschule wieder eröffnet, und zwar mit 14 Schülern. Da von diesen fast die Hälfte dem Handwerk angehören, nimmt die Schule darauf Rücksicht." Im Jahr 1926 erfolgte dann eine Trennung der gewerblichen Fortbildungsschule von der ländlichen Fortbildungsschule. Auf Grund des Gesetzes zur Erweiterung der Berufs-Fortbildungspflicht vom 31. Juli 1923 war die Schülerzahl auf 52 gestiegen. Außerdem hatte es sich ermöglichen lassen, für die Handwerker fachmännischen Zeichenunterricht zu erteilen im Anschluss an den sonstigen Unterricht durch den Architekten Bornemann.

In Ahlen gehen die Anfänge des Berufsschulwesens auf die Beschlüsse zurück, die von den Stadtverordneten am 30.07.1906 und am 14.01.1907 zur Errichtung der gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsschule auf Anregung des damaligen Regierungspräsidenten von Gescher, Münster, gefasst wurden. Es bestand schon 1883 eine Fortbildungsschule, die 1907 wieder eröffnet wurde. Am 25.04.1907 fand die Eröffnungsfeier in Räumen der Nordenschule (Augustin-Wibbelt-Schule) statt. Man begann mit 62 gewerblichen und kaufmännischen Lehrlingen. Im Jahre 1914 war die Schülerzahl auf 162 gestiegen. Die Schülerzahl stieg nach dem 1. Weltkrieg stetig. So betrug die Anzahl der Schüler z. B. im Jahr 1923 in 22 Klassen 640. Das Ministerium erkannte die Ahlener Berufsschule als voll ausgebaute Berufsschule an und stellte einen hauptamtlichen Schulleiter ein. Im Jahre 1926 gelang die Eröffnung einer zweijährigen Handelsschule für Jungen und später die Errichtung einer Haushaltungsschule. Der Unterricht wurde nach und nach bis zum Jahre 1928 von 11 hauptamtlichen Gewerbeoberlehrern und Diplomhandelslehrern erteilt.

 

In Ennigerloh wurde im Jahre 1876 eine Fortbildungsschule eingerichtet. Der Unterricht begann im Wintersemester 1876/77 mit 26 Schülern.

Auch in den anderen Orten des Altkreises Beckum lagen die Verhältnisse im berufsbildenden Schulwesen ähnlich wie in den hier benannten Orten. Neben den gewerblichen und kaufmännischen Fortbildungsschulen bestanden ländliche Fortbildungsschulen. Außer in Ahlen wurde an allen Fortbildungsschulen der Unterricht von nebenamtlichen und nebenberuflichen Lehrkräften erteilt.

 

Aber nicht nur Handwerker und Kaufleute setzten sich für die Weiterbildung ihres Nachwuchses ein, sondern auch die Landwirte. So bestanden z. B. im Jahre 1900 im Kreise Beckum schon ländliche Fortbildungsschulen in Enniger, Ennigerloh, Herzfeld, Lippborg und in der Bauernschaft Brüggenfeld (Lippborg). Der Unterricht fand jedoch vorwiegend in den Wintermonaten statt. Wie auch an den gewerblichen Fortbildungsschulen erteilten Volksschullehrer den Unterricht. Die Zahl der ländlichen Fortbildungsschulen wuchs, nachdem die Gemeinden im Jahre 1923 das Recht erhielten, durch ein Statut die ländliche Fortbildungsschule zur Pflichtschule zu erklären. Das Reichsschulpflichtgesetz vom 06. Juli 1938 verpflichtete alle in der Landwirtschaft tätigen Jungen, eine ländliche Fortbildungsschule zu besuchen. Bereits vorher erhielt sie die Bezeichnung "Ländliche Berufsschule" und später "Landwirtschaftliche Berufsschule". Im Jahre 1958 wurden die gemeindlichen landwirtschaftlichen Berufsschulen im Altkreis Beckum der Kreisberufsschule Beckum angegliedert. Für Mädchen fand der landwirtschaftliche Berufsschulunterricht viel später statt. Im Jahre 1939 wurde eine landwirtschaftliche Berufsschule für Mädchen in Sendenhorst eingerichtet unter Leitung der technischen Lehrerin Frl. Tillmann. 1941 stellte der Kreis Beckum als Lehrkräfte zwei Lehrerinnen der landwirtschaftlichen Haushaltskunde ein, nämlich Frau Toni Schulze Thier (Sendenhorst und Enniger) und Frl. H. Rhode (Dolberg). Nach dem Krieg kam je eine Klasse in Heessen und Ahlen dazu. Später wurden auch die Mädchen aus dem Amtsbezirk Wadersloh in den Berufsschulunterricht einbezogen. Heute sind alle landwirtschaftlichen Berufsschulklassen, auch aus dem Altkreis Beckum, in der Kreisberufsschule Warendorf untergebracht.

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