Von der gemeindlichen Berufsschule zur Kreisberufsschule

Das Ansehen der gewerbliche, kaufmännischen und ländlichen Berufsschulen wuchs in den "zwanziger Jahren" ständig. Handwerker, Kaufleute und Bauern setzten sich in verstärktem Maße für den weiteren Ausbau des Berufsschulwesens ein. Es war noch viel zu tun. Ein Mangel bestand darin, dass immer noch zu viele Schüler in gemischtberuflichen Klassen unterrichtet werden mussten.

 

Ein völliger Umschwung im Berufsschulwesen des Kreises Beckum trat im Jahr 1930 ein, als an fast allen berufsbildenden Schulen hauptamtliche Lehrkräfte den Unterricht übernahmen. Die Volksschullehrer nahmen Abschied von der ihnen liebgewordenen Arbeit. Um die Entwicklung und den weiteren Ausbau des Berufsschulwesens haben sie sich sehr verdient gemacht.

 

Ab 1930 konnte in den einzelnen Berufsschulen bedeutend mehr Fachunterricht angeboten werden. Die allgemeinkundlichen Fächer wurden dabei nicht vernachlässigt. Anfang der dreißiger Jahre kamen dann auch Bestrebungen auf, das Berufsschulwesen mehr zu zentralisieren. In einer Verfügung des Regierungspräsidenten von Münster vom 13.11.1933 wurden die Kreisverwaltungen aufgefordert, Kreisberufsschulen zu errichten. Darauf hin wandte sich der damalige Landrat des Kreises Beckum, Gärtner, in einem Schreiben vom 12.12.1933 an alle Ortsbehörden des Kreises, in dem erfolgendes mitteilte: "Auf Grund der obengenannten Verfügung beabsichtigt der Kreis, die Trägerschaft der Berufs- und Fortbildungsschulen zu übernehmen, und zwar insoweit als die Anstellung und Besoldung der Lehrkräfte vom Kreis erfolgt. Den Gemeinden verbleibt die Bereitstellung der Schulräume. Auch haben die Gemeinden für die Beleuchtung und Heizung, Reinigung der Klassenzimmer zu sorgen. Die Vorteile der Zusammenfassung liegen insbesondere darin, dass die Schüler eine bessere und eingehendere Schulausbildung erhalten, als es bisher der Fall war." Die Bemühungen des Landrats Gärtner hatten Erfolg. Die Organisation dieser Bestrebungen zog sich in allgemeiner Weiterentwicklung nach einige Zeit hin. Aber im Frühjahr 1935 war es dann so weit.

 

Mit Wirkung vom 01.04.1935 gründete der Landkreis Beckum die Kreisberufsschule. Die städtische Handelsschule in Ahlen blieb zunächst selbständig, und zwar in der Trägerschaft der Stadt Ahlen. Aber am 01.04.1938 wurde auch sie als Kreishandelsschule der Kreisberufsschule Beckum angeschlossen. Im Organisationsplan heißt es: "Es bestehen zwei ‚Hauptschulen', und zwar in Beckum und in Ahlen. Die Leitung der Beckumer Hauptschule liegt in Händen des Gewerbeoberlehrers Rudolf Müller. Die Hauptschule in Ahlen wird von Berufsschuldirektor Heinrich Gilhaus geleitet. Der Schule in Beckum sind Stützpunkte in Neubeckum, Oelde und Wadersloh angegliedert. Die Schule in Ahlen besuchen grundsätzlich die Schüler aus der Stadt und dem Amt Ahlen und aus den Gemeinden Heessen, Dolberg und Vorhelm. Die Schüler aus dem übrigen Kreise besuchen die Beckumer Schule."

 

Die Errichtung einer Kreisberufsschule bedeutete für die einzelnen Gemeinden keine Mehrbelastung. Ein Teil der Kosten, die sich insgesamt auf mehr als 120.000 RM jährlich beliefen, wurden durch Berufschulbeiträge aufgebracht, die sich aus Zuschlägen zur Gewerbesteuer und aus Kopfbeträgen für jeden Beschäftigten zusammensetzten. Über die Art der Erhebung und die Höhe der Beiträge erließ man eine Satzung. Das Gesamtaufkommen an Berufsschulbeiträgen wurde auf 45.000 RM geschätzt. Wegen der schlechten finanziellen Lage konnte der Kreis Beckum ein zentrales Kreisberufsschulgebäude nicht errichten.

Mensa am Hansaring


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