Von der Kreisberufsschule zu den Berufsbildenden Lehranstalten des Kreises Beckum

Mit der Gründung der Kreisberufsschule Beckum war ein entscheidender Schritt auf dem Wege zur Intensivierung der theoretischen Grundausbildung des Nachwuchses aus Handwerk, Handel und Industrie getan. Die Einrichtung von berufsspezifischen Fachklassen ermöglichte es, den ständig steigenden Anforderungen an die berufstätigen Jugendlichen besser gerecht zu werden. Von den im Jahre 1935 bestehenden 74 Berufsschulklassen waren 66 reine Fachklassen und nur 8 waren gemischtberufliche Klassen.

 

Am 31.12.1936 schied der Leiter der Ahlener Berufsschule, Herr Berufsschuldirektor Heinrich Gilhaus, wegen Erreichen der Altersgrenze aus dem Berufsschuldienst aus. Herr Gilhaus war Volksschullehrer, später Rektor. Er leitete die Ahlener Fortbildungsschule seit dem 01.04.1909 im Nebenamt. In Anerkennung seiner Verdienst um das Berufsschulwesen wurde er am 01.04.1924 zum Direktor der gewerblichen und kaufmännischen Berufsschule in Ahlen ernannt und schied aus dem Volksschuldienst aus.

 

Der bisherige Leiter der Beckumer Berufsschule, Herr Rudolf Müller, wurde am 01.01.1937 zum Leiter der Kreisberufsschule in Borken erkannt. Herr Berufsschuldirektor Paul Zwickert aus Borken übernahm dafür die Aufgabe in Beckum. Er leitete die Kreisberufsschule bis 1945, Sitz der Schulleitung wurde Beckum. Am 20.06.1958 starb der ehemalige Leiter, Herr Berufsschuldirektor Paul Zwickert, der nach dem Kriege noch einige Jahre an der Schule unterrichtete.

 

Alle gewerblichen, kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Berufsschulklassen in den Schulorten Beckum, Ahlen, Neubeckum, Oelde und Wadersloh, sowie die Handelsschule in Ahlen und die Haushaltungsschule (zunächst in Ahlen, später in Beckum) bildeten fortan die Kreisberufsschule Beckum. In der Aufbauphase waren ungeahnte Schwierigkeiten zu überwinden. Es fehlten geeignete Unterrichtsräume für einen zeitgemäßen Berufsschulunterricht. Aber auch an hauptamtlichen Gewerbeoberlehrern und Diplom-Handelslehrern bestand Mangel. Mit diesen Schwierigkeiten wurde der neue Leiter gut fertig. Ihn zeichneten ein hervorragendes Organisationstalent und ein starkes Pflichtbewusstsein aus. Den Zeitverhältnissen entsprechend wurde die Schule straff geführt. Immer häufiger wurden Konferenzen angesetzt. Auf den Tagesordnungen standen in erster Linie die Erläuterungen der zahlreichen Verfügungen, Erlasse und Gesetze. In die Amtstätigkeit von Berufsschuldirektor Zwickert fiel der 2. Weltkrieg, der sich sehr nachteilig für den weiteren Ausbau der Schule bemerkbar machte. Einberufungen zum Militärdienst ließen die Zahl der Schüler und Lehrer schrumpfen. Die Schulgebäude wurden zeitweise für Wehrmachtszwecke bzw. für Ausgebombte beschlagnahmt. Der Berufsschulunterricht konnte aber, wenn auch behelfsmäßig, bis in die letzten Märzwochen des Jahres 1945 aufrecht erhalten bleiben.

 

Als am 31. März 19 45 amerikanische Truppen Ahlen besetzten und am 01. April Beckum, ruhte für einige Monate der Berufsschulunterricht im gesamten Kreisgebiet.

 

Der Unterricht an den Volksschulen des Kreises Beckum begann nach dem Kriege am Montag, dem 17. September 19 45. An der Kreisberufsschule Beckum konnte der Unterricht am Montag, dem 05. November 19 45, wieder aufgenommen werden. Es war ein Anfang unter dürftigen materiellen Bedingungen. Einige Klassenräume waren noch anderweitig belegt. Wertvolles Anschauungsmaterial war abhanden gekommen. Schlecht beheizte und kaum beleuchtete Klassenzimmer erschwerten den Unterrichtsablauf. Schreibmaterial, insbesondere Hefte und Zeichenpapier, war kaum zu haben. Lehrbücher, die zur Zeit des 3. Reiches erschienen waren, durften nicht benutzt werden. Dankbar muss auch anerkannt werden, dass die Militärregierung die Schulspeisung auch auf die Berufsschulen ausdehnte. Täglich wurde den Berufsschülern eine warme und nahrhafte Portion Suppe verabreicht.

 

Die kommissarische Leitung der Kreisberufsschule Beckum oblag vom 15.10.1945 bis zum 18.11.1945 dem Direktorstellvertreter, Dipl. Handelslehrer August Hosselmann aus Ahlen. Im November 1945 wurde Gewerbeoberlehrer Karl Liebelt, Ahlen, zum Direktor der Schule gewählt. Herr Liebelt, der am 09.10.1900 in Bunzlau (Schlesien) geboren wurde, war seit dem 01.04.1925 an der Berufsschule in Ahlen tätig und erhielt am 01.04.1940 die Ernennung zum Fachvorstehen für die metallgewerbliche Abteilung. Er hat die Kreisberufsschule Beckum vom 19.11.1945 bis zum 18.01.1949 mit unermüdlichen Fleiß und vorbildlicher Energie geleitet. Am 18.01.1949 kam er auf einer Dienstfahrt durch einen tragischen Verkehrsunfall ums Leben.

 

Zum neuen Leiter der Kreisberufsschule Beckum wählte der Kreisschulausschuss den am 27.03.1905 in Münster geborenen, an der Kreisberufsschule Wiedenbrück tätigen, Gewerbeoberlehrer Hubert Nonhoff, der seinen Dienst an der Kreisberufsschule Beckum am 01.09.1949 antrat.

 

Der neue Leiter übernahm ein schweres Amt. Die Schülerzahl war seit Kriegsende enorm gestiegen. Die Kreisberufsschule Beckum zählte im Jahr 1949 insgesamt 3200 Schüler und Schülerinnen, die in 120 Klassen von 48 hauptamtlichen und nebenamtlichen Lehrpersonen unterrichtet wurden. Es war eine große Bündelschule, die neben der gewerblichen, kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Berufsschule eine zweijährige Handelsschule, eine sechssemestrige Meisterschule für das Tischlerhandwerk und eine einjährige Haushaltungsschule umfasste. Immer noch musste der Unterricht wie in den Vorkriegsjahren an 5 Schulorten durchgeführt werden, nämlich in Ahlen, Neubeckum (Volksschulgebäude, Feuerwehrgerätehaus), Beckum (ehemaliges Volksschulgebäude), Oelde (ehemaliges Volksschulgebäude) und Wadersloh (Volksschulgebäude). Große Sorge bereitete wie fast allen Kreisberufsschulen der Lehrermangel. Nebenberufliche Lehrkräfte (z. B. Ingenieure) erteilten samstags vormittags Unterricht. Manche hauptamtlichen Lehrer erklärten sich bereit, Mehrstunden zu erteilen.

 

Die Schwierigkeiten, mit denen die Kreisberufsschule Beckum zu Anfang der 50-iger Jahre zu kämpfen hatte, blieben bei dem Schulträger, dem Landkreis Beckum, und bei der Schulaufsichtsbehörde, der Regierung in Münster, nicht ohne Gehör. Am 01.04.1954 wurde das große Schulsystem aufgeteilt in 2 selbständige Schulen, und zwar in ein gewerbliches und kaufmännisches Schulsystem. Alle gewerblichen und hauswirtschaftlichen Berufsschulklassen, die Haushaltungsschule und die Meisterschule für das Tischlerhandwerk fasste man unter Leitung des Berufsschuldirektors Nonhoff zusammen. Diese Schule mit dem Sitz in Beckum erhielt den Namen "Berufsbildende Lehranstalten des Kreises Beckum". Die kaufmännischen Berufsschule und die zweijährige Kreishandelsschule für Jungen und Mädchen bildeten eine neue Schule mit der amtlichen Bezeichnung "Kaufmännische Unterrichtsanstalten des Kreises Beckum" (Schulort Ahlen). Leiter der Ahlener Schule wurde der am 07.02.1898 in Frankfurt am Main geborene Dipl. Handelslehrer Wilhelm Schneider, der zuletzt Direktorstellvertreter an den Städtischen Handelslehranstalten in Rheine war. Herr Schneider leitete die Schule bis zu seiner Pensionierung am 31.03.1963. Er starb am 03.04.1966. Seit dem 01. Juli 19 63 steht die Schule unter der Leitung von Herrn Oberstudiendirektor Oberdick.

 

Am 1. März 1991 wurde der Kreisberufsschule Beckum eine Fachschule angegliedert. Es war die am 15.10.1928 von den Brüdern August und Josef Höner und Karl Kraft in Beckum gegründete Innungstischlerfachschule. Alle 3 Gründer waren Innenarchitekten. Mit der Angliederung an die Kreisberufsschule wurde die weit über die Grenzen Westfalens bekannte Fachschule staatlich anerkannt und erhielt den Namen "Meisterschule für das Tischlerhandwerk - Fachschule des Landkreises Beckum für Innenarchitektur und Betriebsführung". Leider musste diese Schule schon am 15.10.1939 ihre Tore schließen. Im Oktober 1941 wurde der Unterrichtsbetrieb für 2 Jahre wieder aufgenommen. Der Unterricht diente in erster Linie der Umschulung von kriegsversehrten Soldaten. Am 15.02.1946 wurde die Meisterschule wieder eröffnet. In der Folgezeit nahm sie einen ungeahnten Aufschwung. Die Schule konnte zeitweise nicht alle Aufnahmegesuche berücksichtigen. Die Wartezeiten betrugen oft bis zu 2 Jahren. Im Gebäude der Kreisberufsschule an der Kettelerstraße konnten keine weiteren Räume zur Verfügung gestellt werden. Ein neues Domizil erhielt die Schule in den Räumen der neu errichteten Kreishandwerkerschaft am Schlenkhoffs Weg. Die Abteilung Innenarchitektur der Meisterschule erhielt am 30.06.1969 vom Kultusminister von NRW den Status einer höheren Fachschule. Im Jahre 1971 wurde die ehemalige Meisterschule für das Tischlerhandwerk in Beckum in die Fachhochschule Lippe, Abteilung Detmold, eingegliedert.

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