Schüler machen Alltagsrassismus in Projekt sichtbar
„Das Projekt erfolgt fächerübergreifend im Religions- und Deutschunterricht“, berichtete Anke Höwing-Otto, Lehrerin am Berufskolleg Beckum. Dabei würden sowohl ethische und inhaltliche Elemente, als auch Präsentation und Kommunikation eine Rolle spielen. Das Thema Alltagsrassismus sei allein von den Schülern kontextualisiert worden – Idee, Titel, Gestaltung, Inhalt und Interaktivität hätten sie im Plenum umgesetzt. „Wir waren die Impulsgeber, die Überlegungen kommen aus den Reihen der Schüler“, betonte Höwing-Otto.
Konzipiert wurde die Ausstellung für ihre Mitschüler: andere Klassen – insbesondere eine heterogene Schülerschaft – des Berufskollegs hatten am Dienstagvormittag die Gelegenheit, das Thema Alltagsrassismus an vier verschiedenen Stationen zu reflektieren. „Wir wollen die Vielfalt die wir hier an der Schule haben nutzen und gleichzeitig ermöglichen“, wie Lehrerin und Projektbegleiterin Ute Tusch betont. Der Austausch miteinander und das Sprechen über das Erlebte seien dabei von besonderer Bedeutung. „Es sollen Schüler auch klassenübergreifend miteinander in Kontakt kommen“, ergänzte Höwing-Otte ihre Kollegin.
Um sich auf ihr Projekt vorzubereiten, haben die Schüler im Vorfeld das Fußballmuseum in Dortmund besucht. Ein Teil der Ausstellung widmet sich dort Rassismus im Fußball. Die Schüler der „MT11“ hätten dort die inhaltliche Gestaltung und die interaktiven Elemente analysiert und sich für ihr Projekt inspirieren lassen, wie Tusch berichtete. Entstanden sind vier Stationen, welche die Schüler in der Aula aufgebaut haben.
Die erste Station „Kooperatives Lego“ zielt darauf ab, dass Sprache in ihrer Beschreibung konkret genug wird. Ein Schüler erhielt dabei eine Anleitung für eine Figur aus Bausteinen. Die andere Person musste die Figur erstellen, ohne dabei die Bauschritte vor Augen zu haben. Die einzigen Anhaltspunkte waren die Beschreibungen des Partners – gute Kommunikation war gefragt.
Andere Perspektiven einnehmen
Beckum (blz). An der Station „Schritte gehen“ wurden den Schülern Rollen zugeteilt. „Sie schlüpfen dabei in andere Personen. Das Leitungsteam stellte dann verschiedene Fragen zu bestimmten Situationen“, erklärte Ute Tusch. Das Stichwort hieß: Perspektivwechsel. Abhängig davon, wie sich einer der Teilnehmer entscheiden würde, konnte dieser entweder einen Schritt vor oder zurück gehen. Bei dieser Station war Einfühlvermögen gefragt.
Taub, blind oder stumm – nachvollziehen, wie mit bestimmten Nachteilen umgegangen wird, konnten die Schüler an einer weiteren Station. Ein Schüler wurde dabei mit Kopfhörern ausgestattet, sein Gruppenpartner mit einer Augenmaske und ein weiterer durfte nicht sprechen. Ziel war es, trotz der jeweiligen Nachteile, gemeinsam ein Modell aus Bausteinen
zusammenzustecken. Eine Aufgabe, die nur mit hinreichender Kommunikation gelöst werden konnte.
„Speed-Dating“ lautete der Titel einer weiteren Station, bei der es um Strategien der Vertrauensbildung ging. Zwei Schüler tauschten sich über bestimmte Fragestellungen, die an das Thema Alltagsrassismus angelehnt waren, aus. Es ging darum, andere Entscheidungen und Gefühle nachzuempfinden. Nach jeder Station trafen sich die Partizipierenden zu einer Reflexionsphase. Gemeinsam werteten sie aus, wie die Erlebnisse und Begegnungen wahrgenommen wurden. „Wir möchten mit dem Projekt auch an andere Schulen und Berufskollege gehen“, sagte Ute Tusch über die Zukunft der Ausstellung. Der
Kontakt zum Albertus-Magnus-Gymnasium in Beckum sei bereits geknüpft worden.
Raum für Begegnung schaffen
Beckum (blz). Der Klassensprecher der „MT11“, Jonas Mengelkamp, brachte das Anliegen der Schüler in einer Ansprache auf den Punkt: „Alltagsdiskriminierung ist kein Thema, das in unserer Vergangenheit liegt oder ausschließlich in extremen Formen existiert.“ Diskriminierung geschehe oft leise, zweideutig und manchmal so normalisiert, dass man sie kaum noch erkenne. Sie finde statt in der Sprache, in Blicken, Erwartungen oder Kommentaren gegenüber anderen Menschen. „Mit dieser Ausstellung möchten wir einen Raum schaffen, in dem genau das sichtbar wird. Ein Raum für Begegnung, Interaktion und Perspektivwechsel“, erläuterte Mengelkamp das Konzept. Es gehe nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen, vielmehr solle es darum gehen, hinzuschauen und sich selbst zu hinterfragen.
„Die einzelnen Stationen geben Einblicke in Erfahrungen, Situationen und Sichtweisen, die viele Menschen tagtäglich erleben. Es geht darum, sich aktiv einzubringen, Fragen zu stellen und das Gespräch zu formen“, sagte der Klassensprecher. Es gehe nicht um richtig oder falsch, sondern um Offenheit, Respekt und die Bereitschaft, andere Perspektiven einzunehmen. Gesellschaft lebt von der Art, wie wir miteinander sprechen. Begegnung auf Augenhöhe, Empathie und gegenseitiges Verständnis sind keine Selbstverständlichkeiten, sondern etwas, das wir immer wieder lernen und leben müssen.“
(Texte: Die Glocke, 28.01.2026: Bilder: Berufskolleg)







