Neustart im Klassenzimmer
Ein kleines Schullabor am Berufskolleg Beckum. Laptops surren, auf den Tischen liegen Mikrocontroller, an den Wänden reihen sich Computerarbeitsplätze. Kaiser zieht die Tafel herunter und hält eine Wasserwaage hoch. „Wie funktioniert die denn?“
Die Klasse der angehenden Informationstechnischen Assistent*innen tüftelt heute an einem Sensor. Das Ziel: Über den I²C-Bus einen Mikrocontroller so programmieren, dass er mittels LEDs zur digitalen Wasserwaage wird. „Das ist kein einfaches Fach und keine einfache Aufgabe“, sagt Kaiser. „Mal schauen, wie viele LEDs wir heute zum Leuchten bringen.“
Ein Schritt ins Ungewisse
Dass Kaiser heute im Klassenzimmer steht, war lange nicht geplant. Der 35-Jährige, Vater von zwei Kindern, ist gelernter Elektroniker. Nach dem Bachelor in Energieverfahrenstechnik arbeitete er in der Gebäudeautomation, leitete Seminar- und Ausbildungsabteilung, reiste europaweit. „Ich war drei bis vier Tage die Woche nicht zu Hause“, erzählt er. „Irgendwann wollte ich das ändern.“
Ein Klassentreffen am Berufskolleg Beckum brachte die Wende. Der Schulleiter sprach ihn auf den Quereinstieg an. Zum Test gab Kaiser vier Stunden pro Woche EDV-Unterricht in den Integrationsklassen. Schon nach kurzer Zeit war ihm klar, dass er am richtigen Ort war. „Ich habe gemerkt, dass ich wirklich etwas bewirken kann. Jungen Menschen Wissen mitzugeben und sie auf ihrem Weg ein Stück zu begleiten – das fühlt sich einfach sinnvoll an.“
Den sicheren, gut bezahlten Job aufzugeben, sei kein leichter Schritt gewesen. „Das ist eine Grenze, über die man nicht einfach so rübergeht.“ Der Anruf für die freie Stelle erreichte ihn auf Geschäftsreise in Portugal. „Ich war total überrumpelt.“ Heute sagt er: „Es war der richtige Schritt.“
Studieren zwischen Praxis und Theorie
Der berufsbegleitende Master „Lehramt an Berufskollegs“ mit den beruflichen Fachrichtungen Elektrotechnik und Maschinenbautechnik verbindet zwei Welten: Zwei Tage Studium an unserer Hochschule und der Universität Münster, drei Tage unterrichten an einer Schule. Voraussetzung ist ein einschlägiger ingenieurwissenschaftlicher Abschluss.
Kaiser unterrichtet rund 13 Stunden pro Woche, die übrige Arbeitszeit ist fürs Studium freigestellt. „Was mir besonders gefällt: Ich kann Seminarinhalte direkt im Unterricht ausprobieren.“ In der Fachdidaktik entwickelte er zum Beispiel Personas für seine Klassen. „So überlege ich gezielter, wie ich einzelne Schülerinnen und Schüler besser erreiche und unterstützen kann.“ Ein weiterer Vorteil: Er bringt Projektmanagement-Erfahrung und Praxiswissen mit. „Wenn ich aus dem Berufsalltag erzähle, hören sie anders zu.“ Außerdem seien Berufskollegs sehr an Quereinsteiger*innen interessiert, betont Schulleiter Markus Thewes.
Kaisers Rat an Unentschlossene: „Man sollte für sein Fach brennen und gern mit jungen Menschen arbeiten. Und dann: einfach mal ausprobieren und an einem Berufskolleg in der Nähe nachfragen, ob man mal reinschnuppern kann.“
Zurück im Labor am Berufskolleg Beckum. Die Köpfe der Schüler*innen rauchen. Kaiser geht von Tisch zu Tisch, stellt Fragen, gibt Denkanstöße. Am Ende leuchten alle LEDs wie gewünscht.
Ein Schüler lehnt sich zurück: „Geschafft, ich habe heute mein ganzes Herzblut reingesteckt.“ Kaiser lächelt. Für genau diese Aha-Momente, sagt er, habe sich der Schritt über die Grenze gelohnt.
Informationen zum berufsbegleitenden Master „Lehramt an Berufskollegs“ Elektrotechnik:
https://www.fh-muenster.de/de/studiengaenge/elektrotechnik-master-of-education-lehramt-an-berufskollegs-berufsbegleitend
Informationen zum berufsbegleitenden Master „Lehramt an Berufskollegs“ Elektrotechnik:
https://www.fh-muenster.de/de/studiengaenge/maschinenbautechnik-master-of-education-lehramt-an-berufskollegs-berufsbegleitend





