Auslandseinsatz

Die Fachschule für Holztechnik ist Partner des „Far Forest“ – Projekts.

Dieses hat sich zum Ziel gesetzt, ein internationales Netzwerk von Fachhochschulen und berufsbildenden Einrichtungen im Bereich der Holztechnik aufzubauen.
Gleichzeitig werden moderne Technologien für die Erstellung von Unterrichtsmaterialien genutzt, um den pädagogischen Anforderungen sowie den besonderen Ansprüchen des Lehrens und Lernens in Online-Systemen zu genügen.


gefördert von:

Studierende der Fachschule für Holztechnik in Beckum weltweit in Projekten tätig

Die Beckumer Projektgruppe bei der Abteilungsleitersitzung der Fa. Qiangli, Peking 2001

Globalisierung und Global Player sind Schlagworte unserer Zeit.
Auch in der Holztechnik macht diese Entwicklung nicht halt. Längst lassen deutsche Firmen im Ausland fertigen, ergänzen mit günstigen Zukäufen die eigene Produktpalette, haben alle Kontinente der Erde als Einkaufs- und Absatzmarkt für sich entdeckt. Somit ändert sich das Anforderungsprofil an junge Techniker, die nach abgeschlossener Weiterbildung eine erste Anstellung suchen.

Wie gehen Bildungs- und insbesondere Fortbildungseinrichtungen mit den derzeitigen tiefgreifenden Veränderungen auf den Weltmärkten um?

Die Fachschule für Holztechnik in Beckum verfügt schon seit vielen Jahren über gute internationale Kontakte. Alles begann im Jahre 1999 mit einer eher zufälligen Begegnung zwischen deutschen, finnischen und irischen Schulen. Daraus erwuchs, unterstützt durch ein EU-Projekt, ein reger Austausch, bei dem 4 Lehrer und etwa 20 Studierende der Fachschule in Beckum ihre ersten beruflichen Auslandserfahrungen in Betrieben der Holzbranche sammeln konnten.
Auch im aktuellen Schuljahr führen wieder einige Studierende ihre Projektarbeit in China durch.
In den letzten Jahren haben viele Studierende ihre Projektarbeit außerhalb Deutschlands absolviert. Dabei handelt es sich um die Länder Finnland, Ukraine, Tschechien, Polen, Indien und China.

Die Teilnehmer werden während der 6-wöchigen Projektzeit im Abschlusssemester mit typischen Aufgaben betraut, die sie auch in ihrer zukünftigen Tätigkeit als Techniker zu bewältigen haben. Themen der Betriebsplanung, der Arbeitsorganisation, des Qualitätsmanagements, der Konstruktion, der Werkstofftechnik, des Rechnungswesens, der Informationstechnologie etc. werden mit dem Fachwissen aus der eigenen Praxis und dem theoretischen Rüstzeug der Schule vor Ort mithilfe moderner Computertechnologie bearbeitet.
Einen hohen Stellenwert haben ebenfalls kulturelle und fremdsprachliche Herausforderungen, denen sich die Studierende stellen müssen und die sie auf den späteren Einsatz als Techniker vorbereiten.
Federführend begleitet werden diese Projekte den Kollegen der Fachschule für Holztechnik. Die Kollegen Martin Groneick, Stephan König, Manfred Gross, Hiltrud Krätzig und Dr. Rainer Heeren (Fachschule für Maschinentechnik) betreuten die Studierenden zeitweise auch vor Ort. Der Datenaustausch zwischen Heimat und Einsatzort erfolgt per "Liveschaltung" oder per Email, so dass z. B. auch Zeichnungen, Lagepläne und Betriebslayouts leicht übermittelt und „diskutiert“ werden können. Alle Arbeitsergebnisse werden in einer ausführlichen Dokumentation zusammengefasst, eine Präsentation erfolgt in den Betrieben und in der Schule.

Die Verantwortlichen sind sich sicher, dass die Studierenden von diesem Auslandsaufenthalt in vielerlei Hinsicht geprägt werden. Erste Erfahrungen zeigen, dass diese Einsätze oft im Mittelpunkt eines Bewerbungsgesprächs stehen. Firmen- und Personalchefs belohnen den Mut und die Risikobereitschaft, die zweifelsfrei zu einer solchen Unternehmung dazugehören, mitunter auch mit einem Einstellungsangebot, unabhängig davon, ob Auslandsgeschäfte getätigt werden oder nicht.

Die Studierenden werden aber auch in ihrer Persönlichkeit geprägt und viele sind im Nachhinein stolz, sich dieser Herausforderung gestellt zu haben. Diese Reisen sind alles andere als ein Urlaubvergnügen. Die Betriebe haben hohe Erwartungen an die Deutschen und verlangen klare Ergebnisse.

Dies haben auch die Lehrer Martin Groneick und Stephan König mit einer Projektgruppe in Peking zu spüren bekommen, die bereits im Jahre 2001 eine Planungsarbeit in China angenommen hatte. Den Kontakt zu diesem Betrieb (ca. 800 Mitarbeiter) stellte der damalige Schulleiter Lars W. Beier her, der auch heute noch über ausgezeichnete Verbindungen in dieses aufstrebende Land verfügt.
„Es wurde 7 Tage die Woche gearbeitet, Ergebnisse mussten vor der Betriebsleitung präsentiert und begründet werden, das Wort Sightseeing wurde sehr klein geschrieben. Sogar das lokale Fernsehen wurde engagiert, um die Arbeit der deutschen Experten öffentlich zu machen.
Dazu muss man wissen, dass deutsche Holzbearbeitungsmaschinen in aller Welt zum Einsatz kommen und das Ansehen des deutschen“ Know How“ sehr hoch ist“, so Martin Groneick.
„Der Aufenthalt damals war nicht einfach und von vielen Schwierigkeiten, Höhen und Tiefen geprägt, aber keiner der Beteiligten möchte jemals auf diese Erfahrung verzichten.“

Die Reise der Projektgruppen und der betreuenden Lehrer im September 2005 war mit wesentlich weniger Problemen behaftet. Die Qualität der Produkte hat sich sehr verbessert, die Küchen- und Wohnmöbelprodukte, die in modernen „Showrooms“ zu besichtigen waren, könnten in jedem europäischen Haus stehen,“ so Martin Groneick, der mit seinem Kollegen Dr. Rainer Heeren vor Ort war.
Herr Dr. Heeren möchte für die Fachrichtung der Maschinenbautechnik Kooperationen mit entsprechenden Firmen aufbauen.
Auch die Unterbringung und Verpflegung der Studierenden wird in der Regel von den Betrieben übernommen, die sich mit großem Aufwand um ihre Gäste kümmern.
Die Gastfreundschaft und die Herzlichkeit der chinesischen Freunde beeindruckt die Deutschen am allermeisten.

Auf dem Gebiet der Arbeitsorganisation und der Arbeitssicherheit gibt es noch viele Tätigkeitsfelder, denen sich die angehenden Techniker widmen können, aber die direkte Übertragung von deutschen Lösungsmodellen auf chinesische Betriebe ist durch die großen kulturellen Unterschiede nicht möglich. Da braucht man Fingerspitzengefühl, Toleranz und eine gehörige Portion Ausdauer, um Veränderungen über die Betriebsleitung herbei zu führen. Aber gerade dies macht so eine Reise spannend, interessant und ungeheuer lehrreich.

Die Studierenden Tobias Thiemann und Felix Gebhardt führten 2016 bei der Fa. Radaschitz in Österreich ihre Projektarbeit durch. Das Bild zeigt sie zusammen mit ihrem Gastgeber Hannes Radaschitz und den Lehrern Stephan König und Manfred Gross

Die Finanzierung der jetzt anstehenden Reisen muss von den Teilnehmern selbst getragen werden. Unterkünfte werden oft von den Partnerfirmen gestellt. Lediglich ein kleiner Anteil kann u.U. vom Förderverein der Technikerschule übernommen werden. Hier wird das Thema Sponsoring zukünftig eine größere Rolle spielen müssen, da dieser Erfahrungsaustausch allen Partnern in der Holzbranche zugute kommt. 

Zurzeit ist die Fachschule in Beckum wieder Partner in einem europäischen Leonardo Pilot-Projekt, an dem sowohl deutsche, finnische als auch spanische Fachhochschulen, Schulen, Betriebe ( z.B. interlübke) beteiligt sind.

Um den sprachlichen Herausforderungen gerecht zu werden, muss es Ziel aller Beteiligten sein, einen Teil des Fachunterrichts zukünftig in englischer Sprache abzuhalten. In den seit August 2006 geltenden neuen Richtlinien, wird die Präsentation von Arbeitsergebnissen- auch in englischer Sprache - gefordert. Entsprechende Konzepte müssen nun erarbeitet werden, erste kleine Versuche wurden bereits erprobt.

Eine Planungsarbeit für eine neu zu gründende Tischlerei in Dubai wurde von zwei Studierenden durchgeführt. Weitere Projekte werde in jedem Jahr in der finnischen Möbeltischlerei Tetrimäki absolviert. In diesem Betrieb, der im Nord-Osten Finnlands nahe der russischen Grenze angesiedelt ist, stellt ein schwäbischen Auswanderer mit ca. 15 Gesellen aus ganz Europa hochwertige Möbel her.

Präsentation der Projektarbeit im Fach Produktentwicklung an der Fachschule in Beckum

Auch die Projektarbeiten, die in Deutschland durchgeführt werden, sollten bei aller Euphorie für die Auslandseinsätze nicht in Vergessenheit geraten.
Schon viele namhafte Firmen haben die Zusammenarbeit mit der Technikerschule in Beckum kennen und schätzen gelernt. Einige große Firmen wie z.B. nobilia und interlübke sind regelmäßig Partner im Projekt. Aber auch Klein- und Mittelständische Betriebe profitieren von diesem Konzept. So wurden z. B. gerade im Mai diesen Jahres hochwertige Projektergebnisse präsentiert, die für die Partnerfirmen direkt umsetzbar und z.T. sehr rentabel sind. Das Themenspektrum reicht von der Optimierung einer Durchlaufbohranlage in einem großen Industriebetrieb, über die Analyse der Kostensituation in einem Fertighauswerk bis Vorbereitung der Einführung eines 3D-CAD-Systems in einem Handwerksbetrieb.

„Es gibt in jedem Betrieb vielfältige Aufgaben, die aus Zeit- und Personalmangel nicht bearbeitet werden,“ so der Abteilungsleiter der Fachschule. „Hier sind wir ein idealer Partner für die Firmen, da Studierende den Betrieben für Wochen zur Verfügung stehen, um als Außenstehende einen Blick auf die Abläufe in der Firma zu werfen. Dies beugt der berühmten Betriebsblindheit vor und gibt Hilfestellung für die Optimierung der Planungs- Steuerungs- und Produktionsprozesse.“

Alles in allem ist diese Art der Projektarbeit für alle Beteiligten sehr vorteilhaft und gewinnbringend. Die Betriebe erhalten Unterstützung von Studierenden und Fachschule, die Studierenden bearbeiten Aufgaben aus ihrem zukünftigen Berufsfeld unter Realbedingungen, die Schule hat permanenten Kontakt zur Praxis und lernt ihrerseits fortwährend hinzu. Berührungsängste werden abgebaut, Vorurteile beseitigt.

Besonders die Erfahrungen aus dem Bereich der Personalführung sind für viele Studierende von unschätzbarem Wert, da hier der Rollentausch vom ehemaligen Mitarbeiter in der Produktion zum (späteren) Vorgesetzten erstmals in aller Deutlichkeit spürbar wird.

In der Zwischenzeit sind schon viele Ehemalige, die nach der Weiterbildung eine Anstellung in den Betrieben gefunden haben, ihrerseits Projektpartner. So wird in den kommenden Jahren ein dichtes Netzwerk von Fachleuten und Firmen entstehen, von dem alle profitieren. Diese Art der Kooperation ist ein Erfolgsmodell auf der ganzen Linie. Auch wenn hin und wieder Probleme zu Tage treten, sind diese als normaler Bestandteil der Arbeitswelt anzusehen und werden gemeinsam professionell gelöst.

Betriebe, die Interesse an diesen Projektarbeiten haben, können sich an die Fachschule für Technik (Kontakt) wenden.

Mensa am Hansaring


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